Algebra I Übung W07

Theorem 1: (Haupsatz über endlich erzeugte abelsche Gruppen)
Sei eine endlich erzeugte abelsche Gruppe. Dann existieren mit , so dass

Wir nennen (bzw. die entsprechende Untergruppe in ) die Torsionsgruppe von und den Rang von .

Bemerkung: Falls nicht trivial ist, so können wir ohne Einschränkung fordern.

Bemerkung: Die Torsionsgruppe kann durchaus trivial sein. Genauso kann der Rang der Gruppe Null sein.

Variante Theorem 1:
Sei eine endlich erzeugt abelsche Gruppe. Dann existieren Primzahlen (nicht notwendigerweise verschieden!) und , so dass

Beispiel:
Wie kommen wir von mit für alle , zu , so dass

mit ? Wir können dies mit hilfe des Algorithmus tun, der im Beweis von Korolar 5.5 angegeben ist. Wir betrachen ein Beispiel. Wir nehmen . Um die Anwendung zu erleichtern zerlegen wir die Ordnungen der Komponenten in ihre Primfaktoren, also , , , , . Wir bauen nun eine Tabelle mit einer Zeile für jede vorkommende Primzahl und notieren in absteigender Reihenfolge, in welchen Potenzen diese vorkommt.

Wir erhalten somit

mit .

Weiteres Beispiel?

Aufgabe 1:
Finde (bis auf Isomorphie) alle abelschen Gruppen der Ordnung 16.

Lösung:
Mit dem Hauptsatz über endlich erzeugt abelsche Gruppen ist jede solche Gruppe isomorph zu

für . Da die Ordnung der Gruppe folgt, dass für alle . Des weiteren sollte gelten, also . Dies ist wiederrum äquivalent zu . Wir haben das Problem also auf die Bestimmung aller “Partitionen von 4” reduziert, das heisst alle Möglichkeiten 4 als Summe positiver ganzer Zahlen zu schreiben, ohne berücksichtigung der Reihenfolge. Wir finden genau fünf verschiedene Möglichkeiten:

Es folgt, dass

bis auf Isomorphie alle abelschen Gruppen der Ordnung 16 sind.

Aufgabe 2:
Sei eine quadratfreie ganze Zahl, das heisst für alle ganze Zahlen gilt . Dann ist jede abelsche Gruppe der Ordnung zyklisch.

Lösung:
Falls , so folgt die Aussage direkt. Falls , so wenden wir den Haupsatz an und schreiben

mit . Da in diesem Fall nicht trivial ist, können wir ohne Beschränkung der Allgemeinheit annehmen. Nehmen wir nun an, dass , so folgt da , dass . Dies ist ein Widerspruch zur Annahme an . Es folgt und somit zyklisch.

Aufgabe 3:
Sei eine endlich erzeugte abelsche Gruppe von Rang . Definiere

Zeige, dass der Torsionsgruppe von entspricht (insbesondere definiert also eine Gruppe). Zeige des weiter, dass

Lösung:
Wir wenden den Haupstaz an und erhalten

mit , . Wir ohne Beschränkung der Allgemeinheit annehmen, dass wir Gleichheit anstatt Isomorphie haben. Das Neutralelement hat Ordnung 1, also ist sicherlich nicht leer. Seien . Dann hat Ordnung , wobei wir verwendet haben, dass abelsch ist. Es folgt und somit ist eine Untergruppe. Die Torsionsgruppe von ist per Definition gegeben durch

Wir sehen, dass jedes Element der Torsionsgruppe Ordnung endliche Ordnung hat. Für die andere Inklusion sei . Da die Ordnung von endlich ist, existiert ein positive ganze Zahl , so dass . Es folgt für alle und für alle . Wir erhalten also für alle und somit ist ein Element der Torsionsgruppe. Somit gilt

Für den zweiten Teil definieren wir

Da abelsch ist, definiert dies einen Gruppenhomomorphismus. Per Konstruktion hat jedes Element im Kern von endliche Ordnung, also . Umgekehrt gilt wegen , dass für alle . Es folgt also . Mit dem ersten Isomorphiesatz folgt nun

Es bleibt also zu zeigen, dass . Wir rechnen

Wir wissen, dass für jedes . Es folgt also .

Aufgabe 4:
Zeige, dass eine endliche abelsche Gruppe genau dann nicht zyklisch ist, wenn eine zu isomorphe Untergruppe von für eine Primzahl existiert.

Lösung:
:
Wir wenden den Haupsatz an und schreiben

mit . Da nicht zyklisch ist nicht-trivial, also . Des weiteren hat obige Dekomposition aus dem selben Grund mindestens zwei Faktoren, also . Sei eine Primfaktor von . Dann ist dieser auch ein Faktor von , weil . Seien und Erzeuger von resp. . Dann ist eine zu isomorphe Untergruppe von . Mit obiger Isomorphie existiert somit eine zu isomorphe Untergruppe von .

:
Wir wissen, dass falls zyklisch wäre, so wäre jede Untergruppe von auch zyklisch. Da aber nicht zyklisch ist folgt, dass nicht zyklisch sein kann.