Algebra I Übung W03

Normalteiler

Definition:
Ist und gilt , (oder äquivalenterweise ), so ist ein Normalteiler von . In diesem Fall schreiben .

Proposition 1:
Seien Gruppen und ein Homomorphismus. Dann gilt sowohl als auch

Beweis von Proposition 1:
Da ist der Kern nicht leer. Seien , dann gilt

und somit . Dies zeigt . Da nicht leer ist, ist auch nicht leer. Seien , dann gilt

Somit bildet eine Untergruppe von .

Bemerkung (Intuition):
Seien Gruppen und ein Homomorphismus. Dann bilted nach Proposition 1 eine Gruppe. Falls weder injektiv noch surjektiv ist, so ist weder isomorph zu noch zu . Wir haben somit eine neue Gruppestruktur endteckt. Wir bemerken, dass ein surjektiver Homomorphismus ist. Also ist das einzige, was und unterscheidet der Kern des Homomorphismus . Um die Gruppenstruktur von in zu sehen, müssen wir also irgendwie den Kern in der Gruppenoperation auf ignorieren.
Wir erinnern uns daran, dass wir in der Linearen Algebra eine ähnliche Situation hatten. Seien Vektorräume und eine lineare Abbildung (Vektorraumhomomorphismus). Dann ist und ein Untervektorraum von respektive . In dieser Situation haben wir dann durch Quotientenbildung einen zu isomorphen Vektorraum mit kreiert. So entstand also irgenwie das Konzept eines Quotientenraumes und in der Linearen Algebra ist dies mit einem beliebigen Untervektorraum möglich, wobei wir bemerken, dass der Kern einer linearen Abbildung immer ein Untervektorraum ist und umgekehrt existiert für jeden Untervektorraum eine lineare Abbildung mit entsprechendem Kern.
In der Gruppentheore stellt es sich heraus, dass die obige Eigenschaft nicht von beliebigen Untergruppen erfüllt ist sonder von Normalteilern.
In der Ringtheorie wird diese Rolle dann von den sogenannten Idealen übernommen.

Proposition 2: Sei , dann sind folgende Aussagen äquivalent:
(1)
(2)
(3) Es existiert eine Gruppe und ein Gruppenhomomorphismus mit .

Beweis von Proposition 2:
(1)(2):
Per Definition haben wir Gleichheit.

(2)(1):
Sei beliebig. Mit unserer Annahme erhalten wir . Für die andere Inklusion verwenden wir unsere Annahme für das Element und erhalten

(1)(3):
Wir definieren die natürliche Projektion auf die Faktorgruppe

und behaupten, dass gilt (womit die Implikation gezeigt wäre). Sei , dann gilt

(3)(2):
Sei also ein Gruppenhomomorphismus mit . Seien und beliebig, dann gilt

Es folgt und somit die Implikation.

Bemerkung: Obiges motiviert die Definition des Normalteilers also durch die Frage: Wie charakterisiere ich den Kern eines Gruppenhomomorphismus? Wir können die Definition jedoch auch noch auf eine zweite Art motivieren und zwar mit folgender Frage. Wie definieren wir eine Gruppenstruktur auf einem Quotienten ? Die Elemente sind Nebenklassen von , also von der Form für . Eine natürliche Definition wäre

Es ist jedoch nicht klar, ob dies wohldefiniert ist, da diese von der Wahl des Representanten abhängen könnte. Die Frage ist also, gegeben und , gilt dann ?

Proposition 3:
Sei eine Gruppe und eine Untergruppe. Dann ist obige binäre Operation auf wohldefiniert genau dann, wenn ein Normalteiler bildet. (Also ist mit obiger Operation eine Gruppe genau dann, wenn ein Normalteiler ist.)

Beweis von Proposition 3:
Angenommen ist ein Normalteiler und wir haben mit und . Dann gilt

womti die Operation wohldefiniert ist.

Nehmen wir nun an, dass die Operation wohldefiniert ist. Wir zeigen (2) aus Proposition 2, womit folgt. Seien dazu und beliebig. Wir bemerken, dass aufgrund einer Proposition aus letzer Woche gilt. Somit ist also gleich . Mit der selben Propsition aus letzer Woche schliessen wir .

Bemerkung:
Man könnte noch weiter gehen: Wir bemerken zuerst, dass eine Partition von bildet, also eine Äquivalenzrelation auf . Mit diesem Gedanken im Hinterkopf betrachten wir eine beliebige Äquivalenrelation auf . Wir definieren die natürliche Operation auf den Äquivalenzklassen. Es stellt sich heraus, dass diese Operation genau dann wohldefiniert ist, wenn ein Normalteiler ist und . Siehe Why do we define quotient groups for normal subgroups only? - Mathematics Stack Exchange für mehr Details.

Zentrum und Zentralisator

Definition:
Sei eine Gruppe und . Der Zentralisator von (in ) ist definiert als

Des weiteren, definieren wir das Zentrum von als

Fragen:
Sei eine Gruppe. Gelten folgende Aussagen? Beweise oder finde ein Gegenbeispiel.
(1) ist abelsch.
(2)
(3)

Antworten:
(1)
Nein, sei eine beliebige nicht-abelsche Gruppe mit Neutralelement . Dann gilt für alle und somit .

(2)
Nein, wir geben ein Gegenbeispiel. Sei generiert durch die Rotation und die Spiegelung . Es gilt also und . Wir betrachten . Dann ist , also abelsch und somit . Jedoch gilt . Wir beweisen noch . Wir bemerken zuerst, dass ein beliebiges Element als mit geschrieben werden kann. Sei nun gegeben durch . Angenommen , dann folgern wir

Andernfalls gilt und wir erhalten analog

Durch einsetzen von schliessen wir, dass . Da wir im Falle von einen Widerspruch zu erhalten. Also sind noch oder möglich. Falls so können wir foglern, ein Widerspruch. Es folgt .

(3)
Nein, sei eine beliebige abelsche Gruppe und eine echte Untergruppe (dies existiert, z.B. ). Dann gilt und , aber ist keine Untergruppe von .